10 der besten Roséweine aus der Provence und der Côte d’Azur

10 der besten Roséweine aus der Provence und der Côte d’Azur

Warum Rosé aus der Provence so unwiderstehlich ist

Wenn man an die Côte d’Azur denkt, tauchen sofort Bilder von azurblauem Wasser, duftenden Pinien und langen, hellen Sommerabenden auf. Dazu gehört fast automatisch ein Glas Rosé – blassrosa, kühl und elegant. Doch hinter dieser scheinbar mühelosen Leichtigkeit steckt eine jahrhundertelange Weintradition: In der Provence hat Rosé nicht nur Saison, er ist Identität. Von kalkreichen Hügeln im Hinterland bis zu maritimen Parzellen an windumtosten Buchten bringen die Appellationen Côtes de Provence, Bandol, Coteaux d’Aix-en-Provence oder Coteaux Varois eine Vielfalt hervor, die neugierig macht und zum Entdecken einlädt.

Die besten Rosés aus dieser Region sind weit mehr als Sommerweine: Sie vereinen salzige Frische, filigrane Frucht und duftige Kräuternoten, die an Thymian, Rosmarin und Pinienharz denken lassen. Typische Rebsorten wie Grenache, Cinsault, Syrah und Mourvèdre liefern die Struktur; lokale Charakterköpfe wie Tibouren oder Rolle (Vermentino) setzen feine Akzente. Rosé aus der Provence ist ein Stil – klar, trocken, präzise – und eine Einladung, die Riviera mit allen Sinnen zu erleben.

Terroir, Trauben und Technik: Der Stil der Riviera im Glas

Der typische blassfarbene Ton entsteht oft durch Direktpressung: Die roten Trauben werden sehr sanft gepresst, der Kontakt der Schalen mit dem Most bleibt kurz, sodass nur wenig Farbe extrahiert wird. Alternativ gibt es die Saignée-Methode, bei der ein Teil des Saftes aus einem Rotweinansatz abgezogen wird – das gibt etwas mehr Körper. Temperaturkontrolle, Schutz vor Oxidation und rasches, sauberes Arbeiten sind Pflicht, um die begehrten Aromen nach Grapefruit, weißem Pfirsich, Wassermelone und zarter Blütenwürze zu erhalten.

Geologisch prägen zwei Welten die Region: kristalline Urgesteine (Massif des Maures, Estérel) und Kalk (Sainte-Victoire, Bandol). Küstenparzellen liefern salzige, luftige Profile, Lagen im Hinterland bringen Fülle und Würze. Das erklärt, warum ein Bandol-Rosé auf Mourvèdre-Basis mehr Tiefe und Reifepotenzial zeigt, während ein La-Londe- oder Pierrefeu-Rosé an der Küste oft mit maritimer Frische glänzt.

So trinkt man Rosé wie ein Profi

Serviertemperatur ist entscheidend: 8–10 Grad sind ideal für die meisten eleganten Côtes-de-Provence-Rosés. Kräftigere Rosés (z. B. Bandol) entfalten bei 10–12 Grad mehr Würze und Struktur. Nutzen Sie mittelgroße Weißweingläser, die die aromatische Feinheit bündeln. Ein rascher Genuss innerhalb von 1–2 Jahren ist Standard; einige Spitzenweine – insbesondere aus Bandol oder auf Tibouren-Basis – gewinnen über 3–5 Jahre an Komplexität und zeigen dann Noten von getrockneten Zitruszesten, Safran und Kräutern der Garrigue.

  • Temperatur: 8–10 °C (klassisch), 10–12 °C (strukturbetont)
  • Glas: mittelgroß, tulpenförmig
  • Flaschenalter: jung genießen; Ausnahmen reifen lassen

Die 10 besten Roséweine aus Provence und Côte d’Azur

Die Auswahl konzentriert sich auf charakterstarke, verlässliche Rosés, die den Stil der Region beispielhaft repräsentieren – vom ikonischen Prestigewein bis zum maritimen Charmeur. Jeder Empfehlungspunkt verbindet Herkunft, Trauben, Geschmacksbild, Speiseideen und, wo sinnvoll, einen Tipp zum Besuch vor Ort.

1) Domaines Ott – Clos Mireille Rosé (Côtes de Provence, La Londe)

Der Clos Mireille liegt wenige Schritte vom Meer bei La Londe-les-Maures, auf kargen, sonnenverwöhnten Böden. Der Rosé, häufig mit Grenache, Cinsault und Rolle (Vermentino) komponiert, strahlt in zartem Lachsrosa. In der Nase Grapefruit, weißer Pfirsich, Fenchelgrün, im Mund vibrierende Salzigkeit – wie ein Windhauch vom Cap Bénat. Die Textur ist seidig, der Ausklang lang und klar. Es ist ein Paradebeispiel für die maritime Eleganz der Sub-Appellation La Londe.

Food-Pairing: Rohe Meeresfrüchte, Wolfsbarsch in Salzkruste, Ziegenkäse mit Kräutern. Besuchstipp: Kombinieren Sie eine Küstenwanderung am Sentier du Littoral bei Bormes-les-Mimosas mit einer Verkostung – der Blick auf die Îles d’Hyères schärft regelrecht den Sinn für die salzige Ader dieses Weins.

2) Château Minuty – Rose et Or (Côtes de Provence, Saint-Tropez)

Minuty ist untrennbar mit dem Golf von Saint-Tropez verbunden. Rose et Or zeigt die Handschrift der Präzision: feine Beerenfrucht, ziselierte Zitrusnoten, ein Hauch Orangenschale und Kräuterwürze. Am Gaumen schlank und druckvoll zugleich, getragen von blitzsauberer Säure und mineralischer Geradlinigkeit. Ein Rosé, der eigenständig bleibt, auch wenn die Terrasse voller Gläser ist.

Food-Pairing: Thunfischtatar, Garnelen vom Grill, mediterraner Couscous mit Zitronenverbene. Lokaltipp: Frühe Morgenstunden am kleinen Plage des Salins in Ramatuelle, dann durch die Pinien nach L’Escalet und Cap Taillat – ein idealer Rahmen, um die Leichtigkeit von Minuty gedanklich mitzunehmen.

3) Château d’Esclans – Rock Angel (Côtes de Provence, La Motte)

Château d’Esclans steht für ambitionierten Rosé. Rock Angel ist die präzise, strukturierte Schwester des leichten Terrassenweins: etwas mehr Tiefe, klarer Fruchtausdruck (Nektarine, Pink Grapefruit), feinwürzige Holznuancen in manchen Jahrgängen, stets getragen von Frische. Er zeigt, dass Rosé facettenreich sein kann, ohne die regionale Trinkfreude zu verlieren.

Food-Pairing: Gegrillter Oktopus, Hähnchen mit Zitronen-Thymian, sommerliche Gemüse-Tarte. Abstecher: Das rötlich schimmernde Massif de l’Estérel bei Le Dramont und die kurze, aussichtsreiche Besteigung auf den Pic du Cap Roux – ein Geheimtipp in der Nebensaison für jene, die Wein mit Landschaft verbinden.

4) Miraval Rosé (Côtes de Provence, Correns)

Miraval hat dem Dorf Correns, der ersten „biologischen Gemeinde“ Frankreichs, internationale Aufmerksamkeit gebracht. Der Rosé verbindet blumige Finesse mit Steinfrucht und Anklängen von Waldbeeren. Im Mund lebendig, schnörkellos, mit einer eleganten, fast schwebenden Anmutung. Jahr für Jahr ist Miraval ein Musterbeispiel für saubere Vinifikation und feine Balance.

Food-Pairing: Salade Niçoise mit frischem Bonito, Zucchini-Blüten mit Ricotta, leichtes Sushi. Insiderplatz: Der kühle Vallon Sourn nahe Correns – ein schattiger, felsiger Bachlauf, an dem man die mittägliche Hitze hinter sich lässt und die Frische des Weins noch bewusster schmeckt.

5) Domaine Tempier – Bandol Rosé (Bandol)

Bandol ist die große Ausnahme im Rosé-Universum: mehr Tiefe, mehr Grip, mehr Ernst. Die Domaine Tempier prägt seit Jahrzehnten diesen Stil. Der Rosé basiert oft zu einem guten Teil auf Mourvèdre, ergänzt durch Grenache und Cinsault. Aromen von Blutorange, weißem Pfeffer, roten Johannisbeeren und Garrigue-Kräutern; am Gaumen saftig, strukturiert, mit salziger Länge. Ein Rosé mit Reifepotenzial von 3–5 Jahren, der in seiner Jugend bereits begeistert.

Food-Pairing: Bouillabaisse-Varianten, Lammkoteletts mit Kräutern, Pasta mit Bottarga. Abseits der Massen: Die Küstenfelsen bei Pointe des Engraviers in Sanary-sur-Mer – früh am Morgen trifft man hier eher Fischer als Spaziergänger und erlebt die würzige Luft, die Bandol so unverwechselbar macht.

6) Château de Pibarnon – Bandol Rosé (Bandol, La Cadière-d’Azur)

Pibarnon thront amphitheatralisch über kalkhaltigen Terrassen – ein perfekter Resonanzraum für den eigenständigen Bandol-Stil. Der Rosé zeigt saftige Mandarine, weißfleischige Pfirsiche, Gewürznelke und einen Touch Rauch. Die Textur ist cremig, ohne schwer zu sein; der Nachhall wirkt lang, salzig und fein herb. Ein Rosé, der sich am Tisch wie ein ernstzunehmender Weiß- oder Rotwein behaupten kann.

Food-Pairing: Kalbsrücken mit Salbei, gegrillte Dorade, Burrata mit gegrillten Pfirsichen und Mandeln. Aussichtstipp: Der kleine Belvédère oberhalb von La Cadière-d’Azur – bei klarem Licht sieht man tief ins Hinterland bis zur Montagne Sainte-Victoire.

7) Clos Cibonne – Cuvée Tradition Tibouren Rosé (Côtes de Provence, Pradet)

Tibouren ist die heimliche Diva der Provence: schwierig im Weinberg, magisch im Glas. Clos Cibonne hält diese seltene Sorte lebendig, oft mit kurzem Ausbau unter Flor-ähnlichem Hefeschleier in traditionellen Fudern. Das Ergebnis: Rosé mit salziger Tiefe, Noten von kandierter Schale, Safran, getrockneten Kräutern und einem Hauch Karamellzitrone. Ein Wein für Entdecker, der jung schon betört, aber auch 5 Jahre und mehr gewinnen kann.

Food-Pairing: Aïoli mit Gemüse vom Markt, gebratener Tintenfisch mit Zitronen-Petersilien-Öl, gereifter Comté. Weniger bekannt: Die Salinen von Hyères beim Étang des Pesquiers – rosa Flamingos in der Dämmerung, Meersalz in der Luft, ein perfekter Rahmen für Tibourens maritime Persönlichkeit.

8) Domaine de l’Île – Porquerolles Rosé (Côtes de Provence, Îles d’Hyères)

Auf Porquerolles hat der Rosé buchstäblich Meerblick. Die Domaine de l’Île vereint sonnige Reife und Windfrische – rote Zitrone, weißer Pfirsich, ein Hauch Meersalz und Fenchelpollen. Der Stil ist kristallklar, unaufdringlich elegant, mit einem souveränen, feinmineralischen Biss. Es ist einer dieser Weine, die Erinnerungen an Sandwege, Pinien und das klirrend helle Licht wachrufen.

Food-Pairing: Seeigel und Jakobsmuscheln, gegrillte Kaisergranate, Fregola Sarda mit Zitrone und Kräutern. Inselmoment: Der Pfad zur Plage Notre-Dame am frühen Vormittag – die wechselnden Düfte der Macchia machen jeden Schluck zu einer Landschaftsstudie.

9) Figuière – Première Rosé (Côtes de Provence La Londe, La Londe-les-Maures)

Figuière steht für biologischen Weinbau und kristallklare Rosés. Die Cuvée Première aus La Londe vereint reife Zitrusfrucht mit Birne, roten Beeren und floralen Anklängen. Charakteristisch sind der straffe Zug und die feine Kräuterwürze, die sich im Glas öffnet. Ein vielseitiger Essensbegleiter und verlässlicher Botschafter eines der spannendsten Terroirs entlang der Küste.

Food-Pairing: Gebratene Sardinen mit Zitronenzeste, Salzkartoffeln und Olivenöl; Vitello tonnato; Tomatenpfirsich-Salat mit Basilikum. Spaziergangstipp: Der kurze Abstecher zum belüfteten Aussichtspunkt über dem Fort de Brégançon mit Blick Richtung Cap Bénat – an klaren Tagen sieht man bis zu den Inseln.

10) Château Léoube – Secret de Léoube Rosé (Côtes de Provence, Bormes-les-Mimosas)

Secret de Léoube ist ein sanft texturierter, sehr feinsinniger Rosé mit Aromen von weißer Erdbeere, Blutorange, süßer Grapefruit und Mandelblüte. Maritime Kühle trifft auf subtile Fülle – ein Wein, der am Gaumen fließt, ohne Ecken und Kanten, und im Nachhall mineralisch aufleuchtet. Wer die leise, elegante Seite der Provence sucht, wird hier fündig.

Food-Pairing: Zarten Ziegenkäse mit Thymianhonig, gegrillten Seeteufel, Fenchelsalat mit Orange. Geheimweg: Der versteckte Zugang zur Bucht von Pellegrin bei Ebbe, wenn der schmale Pfad zwischen Pinien und Sand das kühlste Lüftchen einfängt.

Speisenkombinationen: Von Bouillabaisse bis Pfirsich-Tomate

Die Vielseitigkeit der Provence-Rosés zeigt sich am Tisch. Ihr trockener, klarer Stil harmoniert mit der Küche des Südens, die Duft, Textur und Frische verbindet. Denken Sie an:

  • Meeresfrüchte und Fisch: von roh und zart (Austern, Jakobsmuscheln) bis gegrillt (Dorade, Pulpo).
  • Gemüse in Bestform: Ratatouille, gegrillte Zucchini, Artischocken mit Zitronen-Vinaigrette.
  • Kräuter und Zitrus: Thymian, Rosmarin, Fenchel, Zeste; Rosé liebt aromatische Frische.
  • Weiße Fleischsorten: Kalb, Huhn, Kaninchen – besonders mit Kräuterkruste.
  • Käse: frischer Ziegenkäse, junger Tomme oder gereifter Comté zu strukturreicheren Rosés.

Ein einfacher Kompass: Je zarter die Speise, desto feiner der Rosé; je würziger das Gericht, desto strukturierter der Wein (Bandol, Tibouren). Kalte Vorspeisen lieben eisklare Côtes-de-Provence-Rosés; warme Kräuterküche sucht Körper und Länge.

Kaufen, lagern, servieren: Praktische Tipps

Wählen Sie aktuelle Jahrgänge für klassische Terrassenrosés. Bei strukturierten Weinen (Bandol, Tibouren) dürfen 1–3 Jahre Flaschenreife dazukommen. Lagern Sie kühl, dunkel und vibrationsfrei; 10–14 °C sind ideal. Rosé fühlt sich in der Küche nicht wohl – Temperaturschwankungen sind Aromakiller.

Vor dem Servieren 2 Stunden in den Kühlschrank; am Tisch im Weinkühler mit etwas Wasser und wenigen Eiswürfeln temperieren. Verzichten Sie meist aufs Karaffieren – Ausnahme sind kraftvolle, junge Rosés, die von einem kurzen Kontakt mit Luft profitieren. Und: Ein zweites Glas wirkt im warmen Abendlicht oft besser als der zweite Eiswürfel – Verdünnung ist bei hochwertigen Rosés tabu.

Weinrouten und verborgene Orte: Provence abseits der Postkarte

Die Riviera ist reich an Panoramen – doch die schönsten Eindrücke liegen oft einen Schritt neben dem Offensichtlichen. Wer Wein und Landschaft verbinden will, findet entlang dieser stilleren Pfade besonderes Licht, Duft und Ruhe.

  • Estérel-Küste bei Le Dramont: Der Pfad zur Calanque de Maubois führt zwischen Kiefern und roten Felsen zum Wasser. In der Nebensaison ist es still – ideal, um die mineralische Seite vieler Küstenrosés zu begreifen.
  • Domaine du Rayol – Jardin des Méditerranées in Rayol-Canadel: Ein mediterraner Mustergarten, der Klimazonen der Welt nachzeichnet. Notieren Sie Düfte – Myrte, Pistazie, Zistrose – dieselbe Aromatik begegnet Ihnen im Glas.
  • Sentier du Littoral bei La Croix-Valmer: Von Gigaro Richtung Cap Lardier spürt man, wie Salz, Wind und Sonne einen Wein formen. Früh losgehen, eine Wasserflasche mitnehmen, danach ein kühles Glas am heimischen Tisch – die beste Gedächtnisstütze.
  • Chartreuse de La Verne bei Collobrières: Das Zisterzienserkloster liegt verborgen im grünen Herzen des Massif des Maures. Kastanienwälder, Schieferböden, würzige Luft – eine Schule für Terroir, ganz ohne Unterricht.
  • Îles d’Hyères: Auf Porquerolles und Port-Cros wechselt das Blau von Türkis zu Kobaltblau in Minuten. Wer vormittags wandert, versteht, warum maritimer Rosé so gespannt, kühl und klar wirkt.
  • Pointe de l’Aiguille bei Théoule-sur-Mer: Kleine Buchten, rote Wände, Blick auf die Bucht von Cannes – der perfekte Platz, um kurz die Zeit zu vergessen und die Zitrusfrische eines La-Londe-Rosés nachhallen zu lassen.

Jahreszeiten und Anlässe: Rosé ist mehr als Sommer

Natürlich glänzt Rosé in der warmen Saison – doch seine Einsatzmöglichkeiten sind breiter:

  • Frühling: Erste Terrassengerichte, Spargel mit Zitrone und Kräutern; zarte Rosés mit Rolle-Anteil passen hervorragend.
  • Sommer: Klassische Zeit – Salate, Tapas, Meeresfrüchte, Grillabende. Halten Sie mehrere Stilrichtungen bereit, von ultraleicht bis Bandol.
  • Herbst: Pilzgerichte, Kürbisrisotto, gegrilltes Geflügel – strukturreiche Rosés schlagen hier die Brücke zwischen Weiß- und Rotwein.
  • Winter: Zu Bouillabaisse, Fischsuppe oder Kräuter-Hähnchen liefert ein ernsthafter Rosé wohltuende Frische und aromatische Tiefe.

Ein besonderer Moment ist die goldene Stunde an der Küste: Wenn das Licht weicher wird und die Luft salziger duftet, wirken die Weine – selbst die bekannten – noch einmal eindringlicher. Wer je am späten Nachmittag zwischen Cap Camarat und Cap Taillat saß, weiß, wie stark Landschaft und Geschmack verschmelzen.

Nachhaltigkeit und Zukunft: Wie die Region ihre Identität bewahrt

Viele Weingüter arbeiten biologisch oder biodynamisch, reduzieren Kupfer und Schwefel, pflegen Biodiversität und fördern den Wasserhaushalt der Böden. Küstennahe Parzellen sind sensibel – Erosion, Trockenheit, Feuergefahr; die Antwort liegt in bodenschonender Bearbeitung, Begrünung, Heckenpflanzung und moderner Wetterbeobachtung. Gleichzeitig werden in den Kellern energieeffiziente Kühlkreisläufe und leichtere Flaschen eingesetzt. Diese Maßnahmen sind kein Marketing, sondern Voraussetzung, damit die typischen Aromen – Salzigkeit, Zitrusfrische, Kräuterduft – auch zukünftigen Jahrgängen treu bleiben.

So lesen Sie Etiketten aus der Provence

Wichtige Hinweise finden sich direkt auf dem Label: AOC (z. B. Côtes de Provence, Bandol), Sub-Appellation (La Londe, Sainte-Victoire, Fréjus), Rebsorten, Alkoholgehalt (meist 12,5–13,5 Prozent), Erzeuger/Abfüller. Jahrgänge mit kühlen Nächten und moderaten Höchsttemperaturen bringen besonders duftige, präzise Rosés hervor; heißere Jahre liefern reifere Frucht und brauchen straffe Säure, um zu brillieren. Bei Bandol lohnt es, die Cuvée-Zusammensetzung zu studieren: höherer Mourvèdre-Anteil bedeutet oft mehr Tiefe und Reifefähigkeit.

Feine Unterschiede: Küstenlage vs. Hinterland

Die Côte d’Azur bringt beide Gesichter. Küstennahe Lagen (La Londe, Pradet, Porquerolles) ergeben meist Rosés mit salziger Brise, Zitrus und luftiger Textur. Hinterlandlagen (Correns, Pierrefeu, Sainte-Victoire) zeigen oft reifere Steinfrucht, Kräuterwürze und ein Quäntchen mehr Struktur. Keines ist „besser“, beide sind Ausdruck ihrer Umgebung. Probieren Sie bewusst nebeneinander – eine selten so anschauliche Terroir-Lektion in Roséform.

Serviermomente: Kleine Rituale, großer Genuss

Glas kurz vorschwenken, erste Nase ohne Schwenken nehmen, dann leicht kreisen und ein zweites Mal riechen – so erschließen sich Zitrus, Blüte und Gewürzschicht für Schicht. Beim ersten Schluck ruhig im Mund halten und durch die Nase ausatmen: So spüren Sie den feinen Kräuterton, der viele Provence-Rosés auszeichnet. Wenn möglich, öffnen Sie eine zweite Flasche aus einem anderen Terroir – La Londe neben Bandol – und lassen die Landschaft mitdegustieren.

Abschließende Empfehlungen: Ihre persönliche Top 10 entdecken

Die zehn hier versammelten Rosés bilden den Einstieg in eine reiche Welt: von der zeitlosen Küsten-Eleganz (Clos Mireille, Domaine de l’Île, Léoube, Figuière) über die große Struktur der Bandol-Meister (Tempier, Pibarnon) bis zur charaktervollen Tibouren-Interpretation (Clos Cibonne) und den ambitionierten Cuvées zwischen Präzision und Tiefe (Minuty, d’Esclans, Miraval). Entscheidend ist nicht, alles sofort wiederzuerkennen, sondern neugierig zu bleiben. Probieren Sie verschiedene Jahrgänge, kombinieren Sie mit Gerichten, die Sie lieben, und nehmen Sie sich Zeit.

Und wenn Sie einmal vor Ort sind: Gehen Sie früh los, suchen Sie den Schatten einer Pinie, lassen Sie den Wind vom Meer sprechen – und schenken Sie ein. In diesem Moment versteht man, warum die Provence den Rosé nicht erfunden, aber perfektioniert hat.

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