Käse aus dem Var und der Provence – Genüsse der Côte d’Azur entdecken
Ein herzlicher Einstieg: Käse als Schlüssel zur Côte d’Azur
Es gibt viele Wege, die Côte d’Azur kennenzulernen – über ihre Buchten, über die Pinienwälder oder über die Märkte, die morgens nach frischen Kräutern duften. Aber einer der direktesten Wege führt über Käse. Der Var und die Provence sind ein Mosaik aus Mikroklimata und Handwerkstraditionen, die seit Jahrhunderten feinen Käse hervorbringen: Ziegenkäse, der nach Garrigue-Kräutern duftet, weiche Frischkäse für leichte Sommergerichte, aromatische Tommes für den Abend am Tisch. Wenn Sie die Region durch ihre Käsesorten entdecken, erschließt sich ein Sinn für Ort und Saison, der weit über eine klassische Verkostung hinausgeht. In diesem Guide finden Sie die wichtigsten Sorten, verlässliche Märkte, schöne Abstecher und viele praktische Tipps, die Ihnen eine genussvolle Orientierung geben.
Warum Käse aus dem Var und der Provence so besonders ist
Die Küstenlinie der Côte d’Azur trifft hier auf die Hügel und Voralpen. Ziegen und Schafe weiden auf mageren, duftenden Flächen; Lavendel, Thymian, Rosmarin und wilder Fenchel prägen die Vegetation. Diese Vielfalt spiegelt sich im Käse wider. Frische Ziegenkäse sind oft mild, milchig und duften leicht nach Kräutern. Halbfeste und reifere Tommes entwickeln würzige, manchmal nussige Noten. Im Hochsommer schmecken sie anders als im Frühjahr, wenn die Weiden feuchter sind und die Tiere üppigere Kräuter aufnehmen. Wer in der Provence Käse kauft, kauft also nie nur ein Produkt – man nimmt ein Stück Landschaft, Witterung und Handwerkstradition mit.
Ein kurzer Blick in Geschichte und Terroir
Bereits die Römer nutzten die Ziegenhaltung, weil sich die Tiere ideal an das trockene, felsige Hinterland anpassen. In abgelegenen Tälern entstanden kleine Käsereien, die ihren Stil über Jahrhunderte bewahrten. Das Terroir – die Kombination aus Klima, Boden, Pflanzenwelt und handwerklichem Wissen – ist dabei entscheidend. In den küstennahen Zonen der Alpes-Maritimes etwa ist die Luft salzhaltiger, was sich subtil auf die Reifung auswirkt. In den schattigen Höhenlagen zwischen Verdon und Haut-Var dauert die Reifung länger, und die Käse werden dichter, komplexer. Dass manche Sorten heute über eine geschützte Herkunftsbezeichnung verfügen, ist das Ergebnis dieser tief verwurzelten Kultur.
Die wichtigsten Käsesorten der Côte d’Azur im Überblick
Die Region bietet mehr Vielfalt, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Von frischem, löffelweichem Brousse über den charaktervollen Banon bis zu würzigen Tommes ist alles vertreten. Folgende Sorten sollten auf Ihrer persönlichen Liste stehen, wenn Sie den Var und die Provence kulinarisch entdecken möchten.
Banon AOP – Die Ikone in Kastanienblättern
Der Banon ist wahrscheinlich der bekannteste Käse der Provence. Er wird aus Ziegenmilch hergestellt, in Wein mariniert und traditionell in braune Kastanienblätter gewickelt, die mit Bast fixiert sind. Die Blätter halten die Feuchtigkeit, schützen während der Reife und geben dem Käse erdige, leicht tanninhaltige Noten. Ein guter Banon ist cremig-fließend, leicht säuerlich und duftet dezent nach Wald. Ideale Begleiter sind Kastanienhonig aus dem Massif des Maures oder eine Scheibe kräftiges Landbrot. Besonders schön: Banon in der kühleren Jahreszeit, wenn die Blätteraromen prägnanter sind.
Brousse du Rove AOP – Frische im Glas
Die Brousse du Rove stammt aus dem Raum um Marseille und die Calanques und wird aus der Milch der seltenen Rove-Ziege hergestellt. Es handelt sich um einen frischen Molkenkäse: zart, feucht, löffelbar. Servieren Sie Brousse ganz pur mit etwas Olivenöl und Meersalz, mit Tomaten und Basilikum, oder süß mit ein paar Tropfen Blütenhonig. Als Sommerkäse ist Brousse unschlagbar, auch als Füllung für Zucchini-Blüten oder in hauchdünnen Gemüsetartes.
Ziegenkäse aus dem Haut-Var – Von frisch bis aschgrau
Im Hinterland des Var – rund um Fayence, Seillans, Bargème oder Tourtour – finden Sie zahlreiche kleine Ziegenhöfe. Deren Käse reicht von jung und frisch (Büchlein, „crottins“) über leicht gereifte Varianten mit einer dünnen, oft aschgrauen Rinde bis zu kräftigeren, trockeneren Stücken. Typisch sind Noten von Kräutern der Garrigue, ein sauberer, milchiger Duft und eine angenehme, anhaltende Säure. Wer die Märkte von Lorgues oder Aups besucht, findet oft mehrere Reifestufen nebeneinander – ideal für eine kleine horizontale Verkostung.
Tomme de Provence – Herzhaft und vielseitig
Die Bezeichnung „Tomme de Provence“ umfasst verschiedene halbfeste bis feste Käse aus Ziegen- oder Schafsmilch. Ihre Rinde ist oft naturbelassen, die Textur kann von elastisch bis bröselig reichen. Tommes sind hervorragende Tafelkäse, lassen sich aber auch in warmen Gerichten einsetzen: gerieben über einem Gemüse-Tian, in dünnen Scheiben in einer Zwiebel-Tarte oder als kontrastreicher Partner zu geröstetem Brot mit Olivenpaste.
Schafskäse aus den Maures und der Haute-Provence
Schafsmilch verleiht Käse eine buttrige, manchmal leicht süßliche Note. In den Hügellandschaften der Maures oder über den kühleren Ebenen der Haute-Provence entstehen kleine, aromatische Schafskäse, häufig mit Naturrinde. Im Frühling, wenn die Weiden saftig sind, sind diese Käse besonders fein – ideal mit jungem Olivenöl und knusprigem Brot.
Alpennahe Spezialitäten: Sérac und reifere Tommes
In den höheren Lagen der Alpes-de-Haute-Provence (und Richtung Hautes-Alpes) trifft man häufiger auf Sérac – einen milden Molkenkäse – sowie auf reifere, bergige Tommes. Diese Käse zeigen, wie vielfältig die Region ist: von mediterran beeinflusstem Frischkäse bis hin zu alpiner Herzhafte.
Saisonkalender und Reifegeschmack: Wann schmeckt welcher Käse am besten?
Käse hat Saison. Das ist vielleicht die wichtigste Faustregel. Während industriell hergestellte Käse oft einen gleichmäßigen Geschmack haben, variiert der handwerkliche Käse im Var und in der Provence spürbar mit dem Jahreslauf. Frühling und Frühsommer bringen frische, milde Ziegenkäse mit feiner Säure hervor. Im Hochsommer ist das Aroma intensiver, manchmal würziger. Gegen Herbst und Winter gewinnen Tommes an Tiefe, Brousse bleibt dagegen ein sommerlicher Klassiker. Fragen Sie auf dem Markt nach dem „point“ – dem optimalen Reifegrad. Viele Produzenten bieten dieselbe Sorte in „jeune“, „demi-sec“ oder „sec“ an. So können Sie Ihre Lieblingsbalance aus Feuchtigkeit, Säure und Würze finden.
Wo probieren und einkaufen: Märkte, Dörfer und versteckte Ecken
Die sicherste Adresse für authentischen Käse sind die Wochenmärkte. Hier ein paar Orte, die sich lohnen – inklusive kleiner Abstecher, die eine Verkostungstour besonders schön machen.
Märkte, die Käseliebhaber kennen sollten
- Marché de Lorgues (Dienstag): Einer der lebhaftesten Märkte im Var. Lokale Ziegenbauern bieten mehrere Reifestufen an; probieren Sie auch Olivenöle aus der Umgebung, um gleich passende Begleiter zu finden.
- Aups (Winter: Trüffelmarkt): Im Winter trifft man hier Trüffelhändler; Käse und Trüffel sind ein Traumpaar. Ein halbfester Tomme mit ein paar Spänen Trüffel kann den Abend retten.
- Cours Saleya in Nizza: Auf dem bekannten Markt finden sich oft Stände mit Brousse und Ziegenkäse aus dem Hinterland, dazu Obst und Kräuter für den spontanen Picknickkorb.
- Marché Forville in Cannes: Eine gute Adresse für fein sortierte Stände, die reifere Tommes und Frischkäse anbieten – oft mit klarer Herkunftsangabe.
- Antibes, Marché provençal: Zwischen Gewürzen und Obst liegen gut geführte Käsetheken – ideal, um eine Auswahl für den Strandtag auf den Îles de Lérins zusammenzustellen.
- Sanary-sur-Mer (Mittwoch und Wochenenden): Weiter westlich, aber eine Reise wert: großartige Auswahl, auch an Schafskäse, dazu fangfrischer Fisch und Gemüse.
Abstecher, die den Einkauf veredeln
Wenn Sie schon unterwegs sind, planen Sie kleine Abstecher ein. Die Abbaye du Thoronet im Var ist eine eindrucksvolle Zisterzienserabtei; ein stiller Ort, der wunderbar zu einer Käseverkostung im Anschluss passt. Ein anderer Geheimtipp ist die Gorges du Blavet bei Bagnols-en-Forêt: rote Felsen, Kiefern, ein paar stille Pfade – perfekt für eine kurze Wanderung, bevor Sie an einem schattigen Picknickplatz Ziegenkäse und Brot auspacken. Im Herbst lohnt die Fahrt nach Collobrières, wo die Kastanienhaine leuchten; Banon mit Kastanienhonig schmeckt hier fast poetisch.
Käse und Wein: sichere Kombinationen aus Bandol, Bellet, Cassis und Co.
Käse und Wein aus derselben Landschaft verstehen sich oft intuitiv. In der Provence bedeutet das: Weißweine mit Charakter, elegante Rosés und kraftvolle Rote. Für einen entspannten Einstieg helfen ein paar einfache Regeln.
Grundregeln für harmonische Pairings
- Frische Ziegenkäse lieben Säure und Frische im Glas. Probieren Sie einen Weißwein aus Cassis oder einen Vermentino (Rolle) aus den Côtes de Provence.
- Hello rosé: Rosés aus Bandol oder Coteaux Varois sind vielseitig, besonders zu Brousse, Salaten und milden Tommes.
- Reifere Tommes vertragen Rotweine mit sanften Tanninen. Ein Bandol rouge oder ein Rotwein aus Palette passt zu würzigeren, halbfesten Käsen.
- Bellet (Nizza) liefert spannende Weiß- und Roséweine, die zu Meeresluft und Ziegenkäse vom Küstenhinterland hervorragend passen.
Ein praktisches Beispiel-Set für den Abend
Nehmen wir drei Käsesorten: einen jungen Ziegenkäse, einen Banon AOP und eine Tomme de Provence. Dazu kombinieren Sie einen frischen Weißwein aus Cassis für den Ziegenkäse, einen eleganten Rosé aus Bandol für den Banon und einen weich strukturierten Rotwein aus den Coteaux d’Aix-en-Provence zur Tomme. Servieren Sie dazu Oliven, eine Handvoll Nüsse und ein schlichtes Landbrot – fertig ist ein kleiner Streifzug durch die Region.
Käse in der regionalen Küche: leichte Teller für sonnige Tage
Provenzalische Küche heißt nicht automatisch schwere Gratins. Viele Gerichte sind überraschend leicht und setzen auf frische Kräuter, Olivenöl, Gemüse und natürlich auch Käse. Hier ein paar Ideen, die sich im Ferienhaus oder in Ihrer Küche zuhause gut umsetzen lassen.
Salat mit warmem Ziegenkäse, Feigen und Kräutern
Ein paar dünne Scheiben Ziegenkäse auf Baguette, kurz im Ofen gratiniert, dazu Feigen, Rucola, Olivenöl, ein Spritzer Zitronensaft, schwarzer Pfeffer. Wenn Sie möchten, rühren Sie einen Löffel Lavendelhonig in das Dressing – die Verbindung von Süße, Kräutern und Käse ist sehr Provence.
Sommer-Tian mit Tomme de Provence
Zucchini, Auberginen und Tomaten in dünne Scheiben schneiden, in einer Form fächerartig schichten, mit Olivenöl, Thymian und Knoblauch würzen. Nach 30 Minuten Backzeit dünne Scheiben Tomme darauf legen und kurz überbacken. Das Ergebnis ist leicht, aromatisch und schmeckt lauwarm am besten.
Brousse als Füllung für Zucchiniblüten
Die zarten Blüten vorsichtig mit einer Mischung aus Brousse, Zitronenabrieb, fein gehacktem Basilikum und etwas Salz füllen, kurz in Olivenöl braten oder im Ofen garen. Dazu passt ein kühler Vermentino.
Käse-Routen und Genussausflüge: Ihre persönliche Entdeckungstour
Ein Tag lässt sich perfekt um Käse herum planen – mit kurzen Stopps, ein paar Blickpunkten und einem Picknick. Hier drei Vorschläge, die Käse mit Landschaft, Kultur und ruhigen Momenten verbinden.
Var-Hinterland: Wasserfall, Abtei, Ziegenkäse
Starten Sie am Vormittag bei den Cascades de Sillans, einem smaragdgrünen Wasserfall, der gerade in den frühen Stunden besonders still wirkt. Fahren Sie weiter zur Abbaye du Thoronet für eine kurze Besichtigung. Auf dem Rückweg halten Sie auf einem lokalen Markt (z. B. in Lorgues) und kaufen Ziegenkäse in zwei Reifestufen, Brot, Tomaten und Oliven. Suchen Sie sich einen schattigen Platz unter Platanen – schon ist das Provence-Gefühl komplett.
Küstenluft und Klippenpfad: Käse-Picknick am Cap Taillat
Zwischen La Croix-Valmer und Ramatuelle zieht sich der Küstenpfad über weiche Dünen und Felsen zum Cap Taillat. Packen Sie einen Beutel mit Brousse, etwas frischem Gemüse, Oliven und Früchten. Nach einem Spaziergang von 30–40 Minuten finden Sie Buchten mit klarem Wasser; genießen Sie den Blick, und lassen Sie den Käse ganz pur wirken.
Nizza und Hinterland: Markt und Hochplateau
Morgens über den Cours Saleya, mittags hinaus Richtung Plateau de Caussols oder ins Tal der Vesubie. Dort erwartet Sie eine ganz andere Stille, alpine Kiefern, Felsen, weite Himmel. Ziegenkäse vom Markt, etwas Fenchelsalami, knuspriges Brot – und die Erkenntnis, wie groß die Côte d’Azur jenseits der Strandpromenaden ist.
Weniger bekannte Käse und regionale Besonderheiten
Neben den prominenten Namen gibt es kleine, teils nur lokal bekannte Käse. Dazu gehören getrocknete, sehr kleine Ziegenkäse („sec“), die zum Reiben geeignet sind; aromatisierte Varianten mit Kräutern oder Pfeffer; und manchmal fermentierte Aufstriche, die an „fromage fort“ erinnern. Im Raum Nizza trifft man auf schlichte, salzarme Frischkäse, die mit Olivenöl und Kräutern serviert werden. Und in den alpennahen Zonen tauchen saisonal leichte Blauschimmel-Experimente auf, selten, aber spannend. Fragen Sie gezielt nach „spécialités de la maison“ – die Produzenten erzählen gerne, was gerade in kleiner Menge entstanden ist.
Tipps für den Einkauf: so treffen Sie die richtige Wahl
Ein schneller Einkaufsplan hilft, nicht überwältigt vor der Käsetheke zu stehen. Diese Hinweise machen die Auswahl leichter:
- Fragen Sie nach der Reifestufe. Ein und derselbe Käse schmeckt als „jeune“ frischer und milder, als „demi-sec“ ausgewogener, als „sec“ konzentrierter und würziger.
- Schauen Sie auf die Rinde: Sie sollte sauber wirken, nicht zu trocken oder rissig. Ein leichter weißer Flaum ist bei Ziegenkäse normal.
- Bitten Sie um eine kleine Kostprobe, um die Säure und Textur zu prüfen. Auf Märkten ist das üblich.
- Kaufen Sie lieber kleine Mengen frisch nach. Gerade Frischkäse wie Brousse sollten Sie zeitnah genießen.
- Transport: Eine einfache Kühltasche mit Kühlakku reicht, um Käse während eines Ausflugs gut zu halten.
Aufbewahrung und Servieren: damit der Käse glänzt
Bewahren Sie Käse im Kühlschrank in einem kühlen Fach auf, am besten in Pergament oder in atmungsaktiven Boxen. Plastikfolie kann Aromen stauen; besser geeignet sind wiederverwendbare Wachstücher. Nehmen Sie Käse 30–45 Minuten vor dem Servieren heraus, damit sich die Aromen entfalten. Schneiden Sie jede Sorte mit einem eigenen Messer oder reinigen Sie zwischendurch die Klinge – so bleibt der Geschmack klar. Brot? Gern schlicht und knusprig. Extras: ein guter Olivenöl-Tropfen, ein Klecks Lavendel- oder Kastanienhonig, ein paar ungesalzene Mandeln.
Marktetikette und kleine Sprachhilfe
Auf provenzalischen Märkten wird gerne geplaudert. Ein paar Worte Französisch öffnen Türen – und Käseboxen. Freundlichkeit zahlt sich aus, und Produzenten teilen oft bereitwillig Wissen und Kostproben, wenn man echtes Interesse zeigt.
- „Bonjour, je peux goûter?“ – Darf ich probieren?
- „Vous avez quel affinage?“ – Welche Reifestufe haben Sie?
- „Un morceau pour deux personnes, s’il vous plaît.“ – Ein Stück für zwei Personen, bitte.
- „Avez-vous du Banon/Brousse aujourd’hui?“ – Haben Sie heute Banon/Brousse?
Trinkgeld ist am Markt nicht üblich, ein ehrliches „merci, c’était délicieux“ dagegen immer willkommen.
Käse und Olivenöl: eine natürliche Allianz
Olivenöl ist in der Provence allgegenwärtig, und es passt erstaunlich gut zu Käse. Ein fruchtiges, leicht bitteres Öl aus der Vallée des Baux bringt Frische in cremige Ziegenkäse. Ein sanfteres Öl aus dem Var harmoniert mit Banon, ohne zu dominieren. Probieren Sie einen Tropfen Öl und eine Prise Meersalz auf frischem Käse – mehr braucht es oft nicht.
Süße Partner: Honig, Früchte, Konfitüren
Ein Löffel Lavendelhonig auf Brousse, Feigenkonfitüre zu Tomme, Scheiben reifer Pfirsiche neben einem milden Ziegenkäse – diese Kombinationen wirken nicht nur gefällig, sie erzählen auch vom Rhythmus der Jahreszeiten. Im Frühjahr passen Erdbeeren und junge Kräuter, im Sommer Steinobst, im Herbst Trauben und Birnen, im Winter Orangen und Mandarinen. Suchen Sie auf dem Markt nach kleinen Honigproduzenten; Lavendel, Garrigue und Kastanie haben ganz eigene Profile.
Einblicke ins Handwerk: vom Stall bis zur Reifung
Viele Käsereien arbeiten im kleinen Maßstab. Ziegen und Schafe fressen, was die Saison bietet; die Milch wird roh oder thermisiert verarbeitet, anfangs warm, dann behutsam gekühlt. Die Gerinnung geschieht mit natürlichen Kulturen, der Bruch wird geschnitten, geformt, gesalzen. Frische Käse werden rasch verkauft, halbfeste kommen in Reiferäume – oft kühle, leicht feuchte Keller mit kontrollierter Luftzirkulation. Der handwerkliche Prozess erklärt, warum die gleiche Sorte je nach Jahr, Betrieb und Wetter leicht anders schmeckt. Gerade das macht den Reiz aus.
Nachhaltigkeit und Tierwohl: worauf Sie achten können
Fragen Sie nach der Fütterung und Weidehaltung. Weidetiere, kurze Transportwege und kleine Chargen sind gute Indikatoren für nachhaltiges Arbeiten. Auch saisonale Produktion ist ein Zeichen: Wenn eine Sorte im Spätherbst ausverkauft ist, ist das kein Mangel, sondern Ausdruck eines natürlichen Rhythmus. Wer so kauft, unterstützt Landschaftspflege, Biodiversität und handwerkliche Vielfalt.
Familienfreundliche Ideen: Käse als kleines Abenteuer
Mit Kindern lassen sich Verkostungen spielerisch gestalten. Stellen Sie drei Käsesorten in milder Reihenfolge auf, dazu Brot und Obst. Bitten Sie alle, den Lieblingskäse zu wählen und zu beschreiben, wonach er riecht: nach Nüssen, Kräutern, Milch? Auf vielen Höfen gibt es im Sommer gelegentlich Tage der offenen Tür; achten Sie auf Aushänge auf den Märkten. Eine einfache, kindertaugliche Rezeptidee: kleine Brote mit mildem Ziegenkäse, Tomate und Olivenöl im Ofen gratinieren.
Lokalitäten abseits der Postkarte: echte Orte für echte Eindrücke
Neben bekannten Hotspots gibt es leise, schöne Plätze, an denen Käse besonders gut schmeckt. Die Chartreuse de la Verne in den Maures liegt inmitten tiefer Wälder; nach dem Besuch findet man am Wegesrand Picknickplätze mit Blick über die Hügel. Tourtour, das „Dorf im Himmel“, bietet weite Horizonte; eine Bank am Brunnen, ein bisschen Ziegenkäse, Brot, Oliven – mehr braucht es nicht. Wer die roten Felsen am Cap Dramont mag, kann auf den Holzstegen am Meer sitzen und ein frühes Abendessen mit Banon und Pfirsich genießen.
Feine Details bei der Verkostung: Sensorik, Reihenfolge, Temperatur
Ordnen Sie die Käse von mild nach kräftig: Frischkäse, halbfeste Ziegenkäse, Tommes, eventuell Blauschimmel zum Schluss. Probieren Sie zuerst pur, dann mit Brot, dann mit einem Tropfen Olivenöl oder Honig. Achten Sie darauf, wie sich das Mundgefühl verändert: cremig, krümelig, zart schmelzend. Der Geschmack sollte klar und sauber sein; bittere oder metallische Noten deuten auf Überreife oder falsche Lagerung hin. Wein und Käse interagieren: Ein Schluck Wasser zwischen den Sorten klärt den Gaumen.
Ein fülliger Abend: so planen Sie ein Käse-Dîner für vier
Stellen Sie drei bis fünf Sorten zusammen: Brousse (frisch), junger Ziegenkäse (mild), Banon (charaktervoll), Tomme de Provence (würziger), optional ein reifer Schafskäse für Tiefe. Dazu zwei Weine: ein frischer Weißer und ein eleganter Rosé. Beilagen: Oliven, Rohkost (Fenchel, Radieschen), Nüsse, ein Glas Feigenkonfitüre. Servierfolge von mild nach kräftig. Zum Schluss etwas Obst und ein Espresso. So gelingt ein unkompliziertes, regional stimmiges Abendessen, das zugleich leicht und zufrieden macht.
Geschenke und Mitbringsel: was sich gut transportieren lässt
Für die Rückreise eignen sich härtere Tommes, gut verpackt und gekühlt. Frischkäse sind empfindlicher; wenn Sie Brousse mitnehmen möchten, tun Sie das am Abreisetag und halten Sie die Kühlkette. Banon ist eine gute Wahl, weil ihn die Blätter schützen – wickeln Sie ihn zusätzlich in Pergament und eine Box, die Gerüche im Gepäck zurückhält. Als Begleiter: ein kleines, robustes Olivenöl, Kastanienhonig und ein Beutel Herbes de Provence.
Ein Wort zu Preisen und Qualität
Handwerklicher Käse kostet mehr als Industrieprodukte, aber er bietet auch mehr: Saisonalität, kleine Chargen, Vielfalt. Auf Märkten schwanken die Preise je nach Ort und Saison. Ein fairer Indikator ist der Umgang des Verkäufers mit Herkunft und Reife – wer dazu transparent Auskunft gibt, hat meist auch verlässliche Qualität. Scheuen Sie sich nicht, kleine Mengen zu kaufen; die meisten Produzenten freuen sich über neugierige Kunden, die probieren und wiederkommen.
Besondere Begegnungen: Menschen hinter dem Käse
Wenn Sie die Möglichkeit haben, kommen Sie früh auf den Markt. Oft stehen am Morgen die Produzenten selbst am Stand. Ein kurzes Gespräch – wie die Saison war, was die Tiere derzeit fressen, ob es neue Varianten gibt – lässt Sie den Käse mit anderen Augen sehen. Viele erzählen bereitwillig, welche Rinde essbar ist, welche Aromen gerade typisch sind und wie lange der Käse zuhause noch reifen darf.
Ein abschließender Rundblick
Käse aus dem Var und der Provence ist kein isoliertes Produkt – er ist das Resultat aus Klima, Pflanzen, Tieren und der Geduld der Menschen, die ihn herstellen. Wer auf den Märkten der Côte d’Azur einkauft, sieht diese Zusammenhänge auf einen Blick: Brot, Oliven, Wein, Obst, Kräuter und Käse greifen ineinander. Die hier vorgestellten Sorten und Orte sind eine Einladung, die Region ohne Eile zu genießen. Kaufen Sie wenig, aber gut; nehmen Sie sich Zeit für Gespräche; probieren Sie verschiedene Reifestufen. Und gönnen Sie sich ab und zu einen Umweg: vielleicht zu einem Wasserfall, zu einer stillen Abtei, zu einem Dünenpfad. Ein gutes Stück Käse schmeckt dort noch einmal anders – nach Meer und Felsen, nach Sonne auf den Hügeln, nach einem Tag, der genau richtig war.
Erkunden Sie die Côte d’Azur? Sehen Sie alle unsere Ferienvillen an der Côte d’Azur.


