Der Legendäre Hafen von Saint-Tropez: Glamour & Geschichte
Ein Hafen, der Geschichten erzählt
Der Hafen von Saint-Tropez ist kein gewöhnlicher Liegeplatz. Er ist Bühne, Treffpunkt, Atelier im Freien und lebendiges Archiv der Côte d’Azur in einem – ein Ort, an dem Bauersleute einst Sardinen verkauften und an dem heute Kunstsammler, Segler und Flaneure dieselbe Frage vereint: Was macht diesen Hafen so unverwechselbar? Wenn Sie an einem ruhigen Morgen die in der Sonne glitzernden Masten sehen, das Knarzen der Leinen hören und den Duft von Kaffee aus den Cafés am Kai einatmen, beginnen Sie zu verstehen. Der legendäre Port de Saint-Tropez verbindet Glamour mit gelebter Tradition in einer Weise, die es so kaum anderswo gibt. Wer die Côte d’Azur über Saint-Tropez hinaus entdecken möchte, findet mit der Übersicht zur Côte d’Azur bei AzurSelect einen klaren Ausgangspunkt.
Dieser Text nimmt Sie mit zu den großen Linien der Geschichte, in die engen Gassen der Altstadt La Ponche, auf quieternde Regatten und in kleine Werkstätten, in denen die Seele des Ortes weiterlebt. Und zwischendurch gibt es praktische Tipps, versteckte Ecken, kulinarische Hinweise und ein paar Beobachtungen, die man nicht unbedingt in jedem Reiseführer findet.
Von Fischerdorf zur Ikone: Die historische Entwicklung
Vom antiken Umschlagplatz zur befestigten Bucht
Saint-Tropez war lange Zeit ein Arbeitsort am Rand großer Handelsrouten. Die Bucht bot Schutz vor Mistral und Seegang; Fischerboote – die traditionellen pointus – prägten das Bild. Im Mittelalter herrschte eher Nützlichkeit als Eleganz, was man bis heute in den schmalen Gassen hinter dem Hafen spürt. Händler, Salinenarbeiter und Seeleute machten Station; kurze Wege von den Kaianlagen zu den Lagerhäusern bestimmten den Grundriss der Altstadt.
Die strategische Lage brachte Befestigungen mit sich: Der Turm Tour du Portalet am Hafenausgang ist ein steinernes Zeugnis dieser Zeit. Er schützte einst die Einfahrt; heute ist er ein stiller Beobachter des Hafentreibens – und eine der charmantesten Kulissen für einen Abendspaziergang.
Der Aufstieg im 20. Jahrhundert
Der große Sprung vom Arbeitshafen zur weltberühmten Bühne gelang im 20. Jahrhundert. Nach den Wirren zweier Weltkriege fanden Künstler und Intellektuelle hier eine Mischung aus Licht, Ruhe und Authentizität. Die Nachkriegsjahre brachten neue Gesichter – Maler, Fotografen, später Filmteams – und mit ihnen eine neue Erzählung: Saint-Tropez als Freiraum, als Ort, an dem man die Lebenskunst der Riviera neu interpretierte. Die Hafenfront verwandelte sich: Lagerhäuser wichen Ateliers, Cafés, Galerien; die Erinnerung an die Fischkisten lebte fort in den Formen der Boote und den Rezepten, die noch heute auf den Tellern landen.
Das Bild, das um die Welt ging: Kunst und Kino
Die Maler des Lichts
Kaum ein Ort an der Küste wurde so oft gemalt wie der Hafen von Saint-Tropez. Die Fassade in Ocker- und Pastelltönen, die Spiegelungen im Wasser, das gedämpfte Blau der frühen Morgen – all das zog Künstler an. Im Musée de l’Annonciade, nur wenige Schritte vom Kai entfernt, finden Sie Werke, die diese Liaison zwischen Hafen und Leinwand dokumentieren. Spannend ist, wie sich das Licht im Jahreslauf verändert: Im Frühling klar und gläsern, im Sommer warm und schimmernd, im Herbst weich wie Seide. Wer früh kommt und auf der niedrigen Mauer nahe der Capitanerie Platz nimmt, kann beobachten, wie die Sonne den Pinsel führt und Konturen aus dem Dunst hebt.
Bilder, die bleiben: Film und Legende
Die Kinos brachten die Hafenbilder in die Welt – und die Welt kam zurück an den Hafen. Das Musée de la Gendarmerie et du Cinéma zeigt den Dialog zwischen Dorf und Leinwand, vom Slapstick der berühmten Gendarmen bis zum Mythos einer jungen, freiheitlichen Riviera. Noch heute sieht man, wie Filmteams die Perspektive auf den Hafen suchen, vor allem entlang des Quai Jean Jaurès. Zwischen dem Klappern der Bestecke in den Cafés und dem Surren von Kameras liegt dann nur ein Atemzug. Der Glamour ist hier nie abgehoben; er sitzt auf Holzbohlen, schaut auf die Poller und riecht nach Meer und Espresso.
Architektur und Hafenlayout: Eine Bühne in drei Akten
Die Kaianlagen und das Herz des Geschehens
Der Hafen von Saint-Tropez gliedert sich in mehrere Abschnitte, die jeweils eigene Stimmung und Funktion haben. Der Quai Suffren mit Blick auf die enge Hafeneinfahrt bewahrt viel von der historischen Anmutung: niedrige Häuser, enge Durchgänge, die direkt in die Altstadt führen. Der Quai Jean Jaurès – die klassische Promenadenfront – ist die Fotokulisse par excellence, ein Catwalk aus Holzstegen, Cafés, Galerien, Buchten für Fischerboote und Liegeplätze für Yachten. Weiter Richtung Quai de l’Épi weitet sich der Blick; hier spürt man die Weite der Bucht, das Kommen und Gehen der Boote, das Flirren der Nachmittagshitze.
Die Capitainerie wirkt wie ein stiller Dirigent. Von hier aus werden Anläufe koordiniert, Regatten betreut, Sicherheit und Service organisiert. Wer gerne Technik beobachtet, findet am Morgen die besten Momente: Schlepper manövrieren, Wasser- und Stromanschlüsse werden geprüft, Bootsbauer checken die Rümpfe. All das geschieht leise, beinahe unsichtbar, und doch ist es das Rückgrat der Eleganz.
Werften, Segelmacher und die Kunst der pointus
Abseits der Schaufensterfront lebt eine mediterrane Handwerkswelt fort. In kleinen Werkstätten werden Holzplanken gedämpft, Segelmaste ausgerichtet und Leinen gespleißt. Die traditionellen pointus – mit ihren hochgezogenen Bug- und Hecklinien – sind mehr als Fotomotive. Sie sind Baupläne gelebter Erfahrung: stabil, wendig, ideal für die hiesigen Gewässer. Beobachten Sie einmal, wie geduldig ein Bootsbauer ein altes Ruderblatt ausbessert; es ist, als hörte man die Stimme vieler Generationen in den Händen.
Glamour im Alltag: Boutiquen, Galerien, Märkte
Glamour in Saint-Tropez ist im besten Sinne beiläufig. Man findet ihn im sorgfältig kuratierten Fenster einer Galerie am Quai, in der Auswahl lokaler Designer in Seitenstraßen wie der Rue Allard oder in einer Buchhandlung, die Kataloge kleiner Ausstellungen führt. Ein unverzichtbarer Kontrast dazu ist der Markt auf der Place des Lices, wenige Schritte vom Hafen: Unter Platanen liegen duftende Ziegenkäse, handgeknüpfte Körbe, alte Marinepläne, Obst in kleinen Holzkisten. Hier, zwischen Boulespielern und Händlern, die schon um sechs Uhr morgens die Tische aufbauen, spürt man das Dorf hinter der Ikone.
Der Markt auf der Place des Lices
Der Markt ist weit mehr als Einkaufsmöglichkeit; er ist Ritual. Am besten kommen Sie früh, wenn die Luft frisch ist und die Stände gerade öffnen. Probieren Sie getrocknete Feigen, lassen Sie sich Olivenöl aus den Hügeln rund um Gassin erklären, oder entdecken Sie Töpfereien aus der Umgebung. Wer Leckereien mit an den Hafen nehmen möchte, findet Käse und Brot, die im Schatten eines Pollers zur spontanen Mittagspause werden.
Maritimes Herz: Regatten und nautische Events
Les Voiles de Saint-Tropez: Eine Stadt als Regattadorf
Wenn die Les Voiles de Saint-Tropez den Herbst einläuten, verwandelt sich der Hafen in ein Festivalareal. Klassische Schönheiten mit Teakdecks liegen neben Hightech-Rennmaschinen; internationale Crews teilen sich die Kaifläche mit Familien, die einfach nur staunen möchten. Hier rücken Vergangenheit und Zukunft ganz nah zusammen: Takelage knarrt, moderne Instrumente piepsen, und irgendwo wird in einer Ecke ein alter Block geölt. Am Nachmittag, wenn die Boote zurückkehren, ist die Stimmung am Kai besonders dicht – man läuft durch die Luft voller Salz, Gelächter, Segelgeräusch.
Voiles Latines und die Rückkehr der Tradition
Weniger bekannt, aber umso atmosphärischer sind die Rencontres Internationales de Voiles Latines, bei denen die traditionelle lateinische Besegelung im Vordergrund steht. Dann zeigt der Hafen seine mediterrane DNA: Holzmasten, farbige Rümpfe, über dem Wasser schwungvoll gezeichnete Segel. Für Liebhaber maritimer Kultur ist dies vielleicht der idealste Zeitpunkt, um die Originalität Saint-Tropez’ zu begreifen – abseits der großen Kameras, näher an den Geschichten der Boote.
Und wer es abenteuerlich mag, verfolgt die Trophée Bailli de Suffren: eine Hochseeregatta, die mit historischem Flair in See sticht. Am Kai werden Routen besprochen, Proviant verladen, letzte Knoten geprüft – ein schöner Einblick in die Praxis des Segelns.
Geheime Ecken und leise Pfade rund um den Hafen
Tour du Portalet und der Blick nach La Ponche
Gönnen Sie sich einen kleinen Spaziergang zur Tour du Portalet am Rand der Hafeneinfahrt. Von hier aus blickt man auf das Viertel La Ponche, die alte Fischergemeinde, die wie ein Labyrinth aus Mauern und Türen wirkt. In den frühen Abendstunden färbt sich das Licht golden; ein perfekter Moment, um die Stille zwischen den Wellen zu hören. Folgen Sie dem schmalen Pfad am Wasser, und Sie stoßen auf kleine, intime Strände wie die Plage de la Glaye oder die Plage de la Ponche – Plätze, an denen man kurz verweilt und sich fragt, wie viele Geschichten das Meer wohl mit sich trägt.
Der Lavoir Vasserot und die Ruhe hinter der Fassade
Nur wenige Besucher kennen den Lavoir Vasserot, ein altes Waschhaus mit kleinem Garten, das heute als beschaulicher Ort für Kunstinstallationen und Lesungen dient. Ein paar Minuten zu Fuß vom Hafen, und doch eine andere Welt: Plätscherndes Wasser, schattige Bänke, ein Ort für eine halbe Stunde Gelassenheit und vielleicht eine spontane Skizze im Notizbuch.
Kulinarik am Kai: Von Bouillabaisse bis Tarte Tropézienne
Die Küche von Saint-Tropez ist eine Meeresgeschichte. Bouillabaisse, frisch gegrillter Fisch, Tapenade, Artischocken à la barigoule – die Speisekarte ist schlicht und produktbezogen. Wenn mittags ein leichter Wind über den Kai zieht, ist eine Fischsuppe mit Rouille und Croutons ein Erlebnis. Wer Süßes sucht, kommt an der Tarte Tropézienne nicht vorbei: eine luftige Creme, ein Teig mit feiner Kruste, ein Rezept, das den Ort so berühmt gemacht hat wie seine Postkartenfarben.
Abseits der offensichtlichen Adressen lohnt ein Blick in kleine Feinkostläden ein paar Gassen vom Hafen entfernt. Dort finden Sie Zitrusmarmeladen von Kleinproduzenten, Mandeln aus dem Hinterland und eine handwerkliche Auswahl an Pastis. Für einen besonders lokalen Moment besorgen Sie sich ein Picknick vom Markt und suchen sich einen Platz auf den Steinen am Quai – mit Blick auf die Masten und den Turm der Église de Saint-Tropez, der wie ein Leuchtturm über die Dächer schaut.
Die Bravade, die Citadelle und das Gedächtnis des Ortes
Um den Hafen zu verstehen, muss man sein Umfeld kennen. Die Citadelle de Saint-Tropez thront oberhalb der Stadt, eine Festung mit weitem Blick über den Golf und die Alpenkette am Horizont. Das Museum im Innern erzählt maritime Geschichte – nicht in Daten, sondern in Stimmen von Seeleuten, Handelsrouten, Kartenteilen. Von der Zitadelle führen Wege hinunter zum Cimetière marin, dem Seefahrerfriedhof, dessen weiße Grabsteine aufs Meer schauen. Ein stiller, würdevoller Ort, der die Ernsthaftigkeit hinter dem Vergnügen zeigt.
Im Mai zieht die Bravade de Saint-Tropez durch die Gassen – eine alte Tradition, die zu Ehren des Schutzpatrons gepflegt wird. Helle Uniformen, Trommeln, Gewehrsalven, Fahnen: Das Dorf zeigt dann, dass es mehr ist als Kulisse. Wer in dieser Zeit am Hafen steht, spürt eine Verbindung aus religiöser Zeremonie und maritimem Selbstbewusstsein, die den Ort seit Jahrhunderten prägt.
Handwerk und maritime Traditionen
Hinter jeder eleganten Linie einer Yacht steht Handwerk. In den Ateliers rund um den Hafen arbeiten Segelmacher, die den Schnitt eines Tuchs so ernst nehmen wie ein Schneider sein Sakko. Es gibt Schreiner, die Teakböden verlegen, und Mechaniker, die Motoren flüstern hören. Für Besucher spannend sind kurze Einblicke am Morgen, wenn Werkzeuge sortiert, Schablonen überprüft und Rümpfe abgeklopft werden. Das ist die unsichtbare Arbeit, die es ermöglicht, dass der Hafen am Nachmittag so mühelos glänzt.
Neben modernen Materialien halten sich alte Techniken: das Tarieren von Masten, das Einbrennen von Pech, das Flicken eines alten Netzes. Wer am Kai eine ältere Dame mit einem Knotenbrett sieht, schaut im Grunde einer lebenden Enzyklopädie zu: Knoten haben Namen, Geschichten und Einsätze – und manchmal überlebt ein guter Knoten jede Mode.
Nachhaltigkeit im Hafenbetrieb: Zwischen Anspruch und Alltag
Ein Hafen, der tausende Besucher anzieht, trägt Verantwortung. In Saint-Tropez spürt man, dass Umweltschutz immer mehr Teil des Alltags wird: Abfalltrennung für Crews, Sammelstellen für Altöl, Hinweise zum sparsamen Umgang mit Wasser, Sensibilisierung für Seegraswiesen in der Bucht. Auch wenn sich nicht jede Initiative auf den ersten Blick zeigt, lohnt ein Blick auf die kleinen Schilder an der Capitainerie – dort erfährt man, wo man Grauwasser abgeben oder Batterien entsorgen kann.
Für Besucher bedeutet Nachhaltigkeit vor allem Respekt: kein Müll auf dem Kai, kein Betreten empfindlicher Uferbereiche, keine lauten Musikboxen in den Abendstunden. Das Meer ist hier nicht nur Dekoration; es ist Lebensgrundlage – und genau so behandeln es die Menschen, die am Hafen arbeiten.
Praktische Tipps für Ihren Besuch
Beste Zeiten und kleine Routinen
Wer Ruhe sucht, kommt früh. Die Stunde zwischen 7 und 8 Uhr gehört den Fischern, den Lieferanten, den ersten Kaffee-Trinkern. Dann ist die Luft klar, die Farben sind noch kühl, und man hat Platz, um die Boote wirklich anzusehen. Gegen Mittag wird es lebhafter; am späten Nachmittag erreicht die Flanierzeit ihren Höhepunkt.
Ein bewährter Ablauf für einen halben Tag am Hafen könnte so aussehen:
- Früher Kaffee am Quai und ein kurzer Gang bis zur Tour du Portalet
- Rückweg durch La Ponche, Stopp an der Plage de la Glaye
- Ein Abstecher zum Musée de l’Annonciade
- Mittagssnack vom Markt auf der Place des Lices
- Nachmittags über den Quai de l’Épi spazieren und Boote beobachten
Parken und Anreise
Wer mit dem Auto kommt, plant besser etwas Zeit ein. In Hafennähe gibt es Parkhäuser wie das Parking du Port oder das Parking des Lices; von dort sind es nur wenige Minuten zu Fuß. Alternativ sind die Fähren über den Golf eine entspannte Möglichkeit – die Verbindung etwa nach Sainte-Maxime ist oft schneller und staufreier als der Straßenweg, und der Blick auf die Bucht ist ein Bonus, den man nicht unterschätzen sollte.
Rücksicht am Kai
Der Hafen ist Arbeitsort und Wohnzimmer zugleich. Ein paar einfache Regeln helfen, das Miteinander leicht zu machen:
- Leinen und Stromkabel auf den Stegen respektieren – sie sind keine Sitzplätze.
- Crews bei Manövern Platz geben, besonders morgens und am späten Nachmittag.
- Keine Drohnen ohne Genehmigung – Privatsphäre und Sicherheit gehen vor.
- Hunde an der Leine halten, vor allem in der Nähe der Poller.
Tagesausflüge und Verbindungen vom Hafen
Der Hafen von Saint-Tropez ist Drehscheibe für Erkundungen im Golf. Regelmäßige Shuttleboote verbinden ihn mit Sainte-Maxime – eine schöne Ausfahrt, die die Geografie der Bucht sinnlich erklärt. Wer lieber an Land bleibt, spaziert vom Hafen entlang der Küste Richtung Plage des Canoubiers; unterwegs sieht man alte Bootsschuppen, Kiefern, die sich zum Wasser neigen, und kleine Buchten, die bei Mistral geschützt sind. Auf der anderen Seite locken die Hügel nach Gassin und Ramatuelle; ein Abstecher lohnt sich, schon wegen des Ausblicks auf das Meer, das den Hafen umarmt.
Jahreszeiten am Hafen: Zwischen Winterruhe und Sommertrubel
Im Sommer summt der Hafen wie ein Bienenstock: Segel knattern, Musik schwebt von den Terrassen, die Gassen leuchten. Doch der Winter hat eine besondere Magie. Dann sind die Farben gedämpfter, die Stimmen leiser, und die Fischer dominieren die Szenerie. Im Dezember und Januar wirken die Spiegelungen im Wasser dichter; man kann die Stadt fast flüstern hören. Frühling und Herbst sind für viele die schönsten Zeiten: genug Leben, um vibrierend zu sein, genug Ruhe, um schauen zu können.
Kunstspaziergang: Galerien, Skulpturen und kleine Wunder
Fünf Minuten vom Hafen entdeckt man eine Reihe kleiner Galerien, die mit überraschenden Hängungen locken. Manche zeigen abstrakte Arbeiten, andere maritime Szenen, wieder andere junge Fotografie. Eine feine Route beginnt am Quai Jean Jaurès, führt durch die Rue de la Citadelle und biegt in die Rue Allard ab. Wer Augen offen hält, stößt auf Skulpturen im öffentlichen Raum – mal temporär, mal dauerhaft. Übrigens: In manchen Hofpassagen hängen Zeichnungen lokaler Künstler, die es nie in große Ausstellungen schaffen, aber genau das Licht des Hafens einfangen, das man später im Kopf mit nach Hause nimmt.
Saint-Tropez abseits der Postkarte: Stimmen der Einheimischen
Hinter dem Faszinosum des Hafens stehen Menschen, die hier leben und arbeiten: der Fischer, der seit dreißig Jahren morgens um fünf ausläuft; die Galeristin, die in der Nebensaison Kurse für Kinder gibt; der Segelmacher, der am Klang eines Tuchs hört, ob es richtig sitzt. Reden Sie mit ihnen – freundlich und ohne Eile. Viele erzählen gerne, warum der Mistral ihrer Meinung nach die schönste Beleuchtung bringt oder wieso der Herbst die beste Zeit ist, um Holzboote zu lackieren.
Ein Ort, der dabei oft übersehen wird, ist die kleine Kapelle Sainte-Anne auf der Anhöhe: Von hier fällt der Blick über den Golf bis zu den schneebedeckten Gipfeln in der Ferne, wenn der Himmel klar ist. An windstillen Tagen hört man sogar die Geräusche vom Hafen. Es ist, als würde man den Ort mit einem sanften Zoom betrachten – nah genug, um Details zu erkennen, weit genug, um Zusammenhänge zu sehen.
Der Hafen als Alltagsbühne: Cafés, Gespräche, Gesten
Setzen Sie sich auf eine der roten Terrassenstühle am Kai oder an einen schattigen Tisch in der zweiten Reihe. Bestellen Sie einen einfachen Kaffee oder ein Glas Rosé aus den umliegenden Weinbergen und beobachten Sie. Die Gesten am Hafen sind wie ein Ballett: ein Matrose, der unbewusst denselben Knoten legt, den sein Großvater kannte; eine Kellnerin, die die Richtung des Windes an den Haaren abliest; ein Kind, das an der Kaimauer hinaus auf das Blau zeigt. Diese kleine Poesie macht den Ort lebendig – weit über das Fotomotiv hinaus.
Schiffe lesen lernen: Eine kleine Einführung
Wer am Hafen steht, kann Boote lesen wie andere ein Buch. Ein schlanker Rumpf mit hohem Rigg erzählt von Geschwindigkeit; breite Balken, viel Holz und ein vorspringender Klüverbaum deuten auf klassische Linien. Achten Sie auf die Namen: Manche tragen Bezüge zur Familie, andere zur Mythologie des Meeres. Manchmal verrät schon der Fender die Geschichte – Leder für Klassiker, hochfester Kunststoff für Regattayachten. Und wenn Sie die Chance haben, einem Skipper beim Anlegen zuzusehen, entdecken Sie, wie viel Kommunikation im Stillen passiert: ein Blick, eine Handbewegung, ein kurzer Pfiff – und das Boot liegt.
Die unsichtbaren Takte: Wetter, Wind und Licht
Der Hafen folgt den Gesetzen des Lichts. Morgens ist er ein Aquarell, mittags ein Ölbild, abends eine Skizze in Pfirsichtönen. Der Mistral bringt klare Konturen, der Marin weiches Blau. Wer sich die Zeit nimmt, ein paar Stunden zu bleiben, sieht, wie sich die Farben verschieben. Selbst bei bedecktem Himmel hat der Hafen seinen Reiz – dann treten die Formen hervor: die Linien der Masten, die Symmetrie der Poller, die Geometrie der Fensterläden.
Zwischen Legende und Alltag: Ein lebendiges Gleichgewicht
Das vielleicht größte Kunststück des Hafens von Saint-Tropez ist sein Gleichgewicht. Er hat eine weltweite Bekanntheit, die das Dorf längst hätte überrollen können. Und doch bleibt er in vielen Momenten ein Ort des Alltags. Die Bravade hält die Erinnerung wach, die Citadelle verankert die Geschichte, der Markt nährt die Gegenwart, die Regatten öffnen die Zukunft. Auf diese Weise ist der Hafen keine Kulisse in Bernstein, sondern ein Gewässer mit Strömung – mal ruhig, mal bewegt, immer in Beziehung zu dem, was außerhalb der Mole passiert.
Ein letzter Spaziergang
Wenn die Dämmerung einsetzt und das Licht über den Hafen fällt, lohnt ein letzter Rundgang. Start am Quai Suffren, weiter am Quai Jean Jaurès entlang, ein Abstecher bis zum Quai de l’Épi, dann zurück durch die Gassen von La Ponche. Setzen Sie sich noch einen Moment zur Kaimauer, die Finger auf dem kühlen Stein. Die Geräusche werden leiser, die Lichter an den Booten gehen an, eine Brise dreht die Windfahnen. Vielleicht ist es genau dieser Moment, in dem man versteht, warum Saint-Tropez mehr ist als Glamour: Es ist ein Ort, in dem das Meer und die Menschen eine Geschichte teilen, die heute genauso lebendig ist wie früher.
Fazit: Glamour und Erbe, nah beieinander
Der legendäre Hafen von Saint-Tropez ist ein seltenes Zusammenspiel aus Schlichtheit und Prunk, Handwerk und Ausdruck, Ritual und Leichtigkeit. Er wirkt, weil er lebt – in den Händen derer, die Boote pflegen, in den Augen derer, die sie betrachten, und in den Wegen, die von hier aus in die Stadt führen. Wer sich auf ihn einlässt, entdeckt mehr als schöne Boote: eine Kultur, die das Meer nicht dekoriert, sondern ernst nimmt; eine Stadt, die ihren Gästen viel zeigt, aber noch mehr bewahrt; und ein Licht, das die Dinge nie zweimal gleich erscheinen lässt.
Für Ihren Besuch nehmen Sie Zeit, lassen Sie sich treiben, sprechen Sie mit den Leuten, kosten Sie das Salz auf den Lippen. Dann nimmt der Hafen Sie mit – nicht als Tourist, sondern als Mitspieler in einem Stück, das seit Jahrhunderten neu aufgeführt wird und trotzdem nie seinen Zauber verliert.
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